Es gibt Reitmethoden, da
ist man sich nicht ganz einig. Es gibt Reitmethoden, über die kann man sich
streiten. Und dann gibt es die Niederländer, die ihre ganz eigenen Methoden
haben.
So ungefähr kann man die
Diskussion, die rund um Aachen entbrannt ist, zusammenfassen. Jedes Jahr, jedes
große Turnier auf’s Neue ist ein Thema vom Heubodengeflüster nicht wegzudenken:
die Rollkurmethoden, mit denen manche Pferde noch immer trainiert werden. Da
wird angeprangert, angeschrien und angegriffen. Das meiste davon ist vollkommen
gerechtfertigt. Rollkur ist Folter für die Pferde. Ganz unabhängig davon, wie
alt oder wie ausgebildet sie sind (falls jemand das Interview mit Anky van
Grunsven nicht gesehen hat: „We are not talking about 4,5 years-old horses. We
are talking about top sport horses.“). Ich möchte euch gar nicht weiter mit
Fakten langweilen, die jeder kennt.
Gehen wir mal einen
Schritt zurück und reden über das Reden. Wörter sind unschuldig, sagte mal ein
großer Denker. Wörter vielleicht schon, die Gedanken dahinter jedoch nicht. Im
Rahmen der heute endenden Dressurprüfungen in Aachen kann man in einschlägigen
Foren sehr schnell den oder die Schuldigen an der Rollkur finden. Topscorer
Edward Gal kommt auf erstaunlich viele Nennungen in erstaunlich bösartigen
Kontexten. Nicht selten wird ihm da der Tod gewünscht und man kann überrascht
sein, wie kreativ die Schreiber dieser Texte sind. Doch ist van Gal wirklich
der Schuldige? Oder steckt da noch viel mehr dahinter? Wir spielen heute mal
Gericht und suchen die Verursacher!
Ein Pferd bildet der Reiter aus. Einen Reiter jedoch der Trainer. Trainer sind eine Art helle Wesen, otialLichtgestalten in matschigen Stiefeln und engen Hosen. Wir vertrauen ihnen, wir glauben ihnen und sie bilden unsere Meinung von Pferd und Reiten. Auch Gal untersteht einem Trainer, der ihm die Lektionen vorgibt. Wenn dieser ihn über Cavalettis schickt, dann wird das schon sinnvoll für das Pferd sein, ganz gleich ob es Totilas oder Undercover heißt. Aber denken wir noch etwas kritischer: warum nicht einfach den Trainer wechseln, wenn man die Trainingsmethoden nicht gut findet?
Ein Pferd bildet der Reiter aus. Einen Reiter jedoch der Trainer. Trainer sind eine Art helle Wesen, otialLichtgestalten in matschigen Stiefeln und engen Hosen. Wir vertrauen ihnen, wir glauben ihnen und sie bilden unsere Meinung von Pferd und Reiten. Auch Gal untersteht einem Trainer, der ihm die Lektionen vorgibt. Wenn dieser ihn über Cavalettis schickt, dann wird das schon sinnvoll für das Pferd sein, ganz gleich ob es Totilas oder Undercover heißt. Aber denken wir noch etwas kritischer: warum nicht einfach den Trainer wechseln, wenn man die Trainingsmethoden nicht gut findet?
Es gibt einfach zu
wenige, die anders trainieren. Auch Trainer sind nicht ganz frei. Ist man nicht
gerade als Krösus geboren, kann man es sich kaum noch leisten, Menschen auf
Pferden Kommandos zuzurufen. Leben kann man nicht von Luft und Pferdeliebe.
Geld kommt aber im Reitsport nur durch Sponsoren, denen wir eigentlich ziemlich
dankbar sind. Sponsoren haben wiederum eigene Interessen und die lassen sich
ganz leicht zusammenfassen unter: Aufmerksamkeit. Was bringt es Spooks eine
Reiterin auszustatten, wenn diese nicht gewinnt? Und so traurig es ist, wir
müssen uns eingestehen: Rollkur bringt Erfogle. Die Beine werden in die Luft
geworfen, das Pferd wirkt gespannt und die Ausstrahlung kommt auch hervor. Pferde
mit Rollkur sind erfolgreicher, erfolgreiche Trainer verdienen mehr Geld,
erfolgreiche Reiter bekommen die besten Pferde. Der Kreis schließt sich. Sind
also die Sponsoren an allem Schuld?
Könnten nicht einfach die
Juroren richtig jurieren und Punkte für unsportliches Verhalten gegenüber dem
Partner verteilen? Leider nicht. Die haben ihre Richtlinien und richten nur
über das, was man im Viereck sehen kann. Eine Taktunklarheit bei Totilas ist
leider kein Hinweis auf Rollkur am Abreiteplatz.
Aber wir haben ja noch einen Bigplayer. Unseren Dachverband. Unser Organisationstalent, das uns Turniere, Wertungen, Informationen, Hilfeleistungen und eine Plattform bietet: die FN. An sich eine sinnvolle Sache und gute Organisation. Aber auch sie profitiert durch mehr Mitglieder und mehr Reiter in der Welt. Leider gilt wie überall: Erfolg ist sexy. Nach Boris Becker schossen Tennisplätze wie Pilze aus dem Boden und seit Totilas liegt ein Zauber über der Dressur. Die FN hat also wenig Interesse daran, Rollkur zu verbieten und das auch durchzusetzen. Aber nur dann würden Sponsoren auf das richtige Pferd setzen und der Zirkel könnte durchbrochen werden.
Aber wir haben ja noch einen Bigplayer. Unseren Dachverband. Unser Organisationstalent, das uns Turniere, Wertungen, Informationen, Hilfeleistungen und eine Plattform bietet: die FN. An sich eine sinnvolle Sache und gute Organisation. Aber auch sie profitiert durch mehr Mitglieder und mehr Reiter in der Welt. Leider gilt wie überall: Erfolg ist sexy. Nach Boris Becker schossen Tennisplätze wie Pilze aus dem Boden und seit Totilas liegt ein Zauber über der Dressur. Die FN hat also wenig Interesse daran, Rollkur zu verbieten und das auch durchzusetzen. Aber nur dann würden Sponsoren auf das richtige Pferd setzen und der Zirkel könnte durchbrochen werden.
Und wer kann die FN zum
Umdenken bewegen? WIR! Wir sind die Einzigen, auf die die FN hört, denn sie
sind abhängig von uns. Was die Reiterwelt also wirklich braucht, ist ein großer
Aufschrei in der Reiterwelt. Wo schreien nicht klappt, da hilft vielleicht auch
reden. Aufmerksamkeit. Public shaming. Eine große Bühne wie Aachen ist da ein
guter Ort. Man muss nur aufpassen, wie und was man sagt. Wünscht man jemandem
den Tod, dann wird nur über diese maßlose Äußerung geredet – aber nicht über
das, was eigentlich dahinter steht: unsere Liebe zu unserem Partner.
Lasst uns gemeinsam zu
unserem Freund stehen und weiterhin die Rollkur verteufeln. Wir müssen nur den
richtigen Teufel finden. Und das sind nicht nur die holländischen Reiter und
Trainer. Das sind die Sponsoren, die FN und vor allem sind das wir. Wir müssen
nur auf unseren Ton achten.